Es scheint zum Schick der Nationen auf dem internationalen Schachbrett der Konflikte im 21. Jahrhundert zu gehören, mit Atombomben zu jonglieren. Obgleich der scheinbaren gesellschaftlichen Erosion der menschlichen Ängste vor derartigen Vernichtungswaffen, wage ich provokativ nachzufragen, ob die apokalyptische Bedrohung der Welt der Weisheit letzter Schluss ist.

Bleibt am Ende von mehr als 5000 Jahren Zivilisationsgeschichte als ultima ratio nur die Vernichtung von Millionen von Menschen, stellvertretend für die Lösung der Konflikte Ihrer wenigen Meinungsführer. Ist es darüber hinaus sinnvoll, billigend in Kauf zu nehmen, in einer atomaren Auseinandersetzung selbst vernichtet zu werden, nur um Recht zu behalten?
Mir ist aufgefallen, dass die Idee einer Friedens-Mediation als alternative Konfliktlösung derzeit weder von Medien noch von Politikern diskutiert wird. Dabei gibt es herausragende historische Beispiele für den Erfolg dieser Methode.
Vor 350 Jahren war die Welt schon weiter, das beweist die Friedens-Mediation im 30-jährigen Krieg
Die berühmteste Friedens-Mediation, die auf deutschem Boden statt gefunden hat, beendete 1648 den 30-jährigen Krieg. Diese Friedens-Mediation dauerte 5 Jahre und erforderte über 800 dokumentierte Einzelgepräche. Am 47. Geburtstag von Aloisius Contarini, am 24. Oktober 1648, wurde der Westfälische Friede geschlossen. In der Präambel des Vertragswerks wird von Contarini, der die wohl bedeutendste und komplexeste Friedens-Mediation durchführte, gesagt, der Friede sei möglich geworden durch
Aloisius Contarini, der den Auftrag eines Mediators unabhängig von der Begierde der Parteien während beinahe fünf Jahren unverdrossen erfüllt hat."
Schauen wir uns einmal die Ausgangslage von damals an
Dem dreißigjähringen Krieg ging der Augsburger Religionsfriede voraus. Dieser hatte die paradoxe Situation hinterlassen, dass zwar im Reich eine strenge Gleichberechtigung der Konfessionen herrschte, also sowohl Protestanten wie auch Katholiken gleichberechtigt waren.
Die Landesfürsten in den einzelnen Territorien des Römischen Reiches Deutscher Nation bevorzugten im praktischen Leben jedoch die Durchsetzung eines einheitlichen Glaubens in ihrem jeweiligen Territorialstaat. Die Umsetzung Ihrer persönlichen Ziele und Ihres Willens schien ihnen mit nur einer Glaubensidee im jeweiligen Fürstentum leichter, als mit mehreren Konfessionen in Verwaltung und Gesellschaft.
So galt zwar de jure im Reich die Religionsfreiheit, de facto bestand sie aber nicht in den Ländern.
Dies ging halbwegs gut, solange das Reich außenpolitische Konflikte hatte. Als jedoch 1606 ein Waffenstillstand mit den Türken geschlossen wurde und somit ein Solidarisierungsgrund zwischen den Parteien im Reich weg fiel, verschärften sich die Fronten wieder. 1608 kam es auf dem Reichstag zu einem Eklat aufgrund von Uneinigkeit in konfessionellen Standpunkten, mit der Folge, dass dieses Reichsorgan gesprengt wurde.
Zur Verdeuttlichung der Kleinteiligkeit der Fürstentümer im Europa des 16. Jahrhunderts, sehen Sie nachstehend eine Karte.
In der Folge kam es zu der Gründung von Union und Liga in Europa
Die protestantischen Stände (u.a. Pfalz, Sachsen-Anhalt, Württemberg, Baden-Durlach) gründeten die sog. Union, ein Defensivbündnis unter der Führung der Kurpfalz. Allerdings war das Bündnis nicht besonders stark, da sich die norddeutschen Kurfürsten sowie Kursachsen nicht anschlossen. Darüber hinaus litt das Bündnis unter zahlreichen Uneinigkeiten zwischen Lutheranern und Calvinisten sowie unter schwacher Finanzkraft.
Auf der katholischen Seite wurde im Jahr 1609 die Liga unter der Führung Maximilians von Bayern gegründet, der die meisten katholischen Reichsstände (Bischöfe von Würzburg, Augsburg, Passau, Erzbischöfe von Köln, Mainz, Trier u.a.) beitraten. Vorgebliches Ziel der Liga war die Verteidigung des Landfriedens und der katholischen Religion.
Wie sich später in der Friedens-Mediation offenbarte, standen sowohl hinter der Union als auch hinter der Liga handfeste wirtschaftliche Ziele der Landesfürsten. Somit standen sich zu Beginn des Krieges zwei konfessionelle Fronten mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Zielen gegenüber. Im Verlauf wurde es zu einer 30 Jahre andauernden Völkerschlacht in Europa.
Vergleichen wir nun die Situation heute um den Iran
Die geopolitischen Konflikte der Region drehen sich in den letzten Jahren vor allem um die Energie-Ressource Öl und seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion auch um die Sicherung der Transportwege des Öls aus den zentralasiatischen Staaten. Iran verfügt immerhin um 9% der nachgewiesenen Ölreserven der Welt und 16% der Erdgasvorkommen. Durch die Meerenge der Strasse von Hormus werden 40% des Welt-Öl-Bedarfs transportiert. Zunehmend spielt auch die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung und Sicherung von landwirtschaftlichen Anbaugebieten eine geopolitische Rolle. Bei stetig wachsender Bevölkerung in Asien, Afrika und den arabischen Staaten ist heute schon eine Verknappung dieser Ressourcen spürbar. Bereits in 20 Jahren hat diese Region der Erde nicht mehr ausreichend Trinkwasser für alle Menschen.
Mir scheint es vor diesem Hintergrund lohnend, darüber nachzudenken, ob hinter dem vermeintlichen "Kampf der Kulturen" wie der gleichnamige Buchtitel des Autors Samuel Huntington lautet, nicht handfeste pragmatisch egoistische Gründe stehen. Könnte es nicht auch so sein, dass Politik, Wirtschaft und Finanzwelt die Macht der Medien – als 4. Macht und mutmaßlich größte Macht im Staat – nutzen, um eine militärische Auseinandersetzung der Völker einem religiösen kulturellen Ursprung zuzuschreiben? Wie auch immer, eine Friedens-Mediation würde hierüber Aufschluss für alle Parteien und Völker bringen.
Die Berichterstattung der Medien hat sich zu eigen gemacht, die Unterschiede der Kulturen und Völker in den Vordergrund zu stellen. Immer wiederkehrende Bilder von Gräueltaten extremer Splittergruppen führen im Ergebnis dazu, ganze Kulturen und Religionen negativ zu etikettieren. Bevorzugte Bilder sind die Taten einzelner Menschen und Splittergruppen aus den schon verbal, durch die Bezeichnung "Schurkenstaaten", diskriminierten Kulturen. Menschenrechtlich bedenkliche Handlungen der sogenannten Rechtsstaaten und Demokratien bleiben hingegen aus Gründen der political correctness unveröffentlicht. Falls sie doch veröffentlicht werden, gelten diese paradoxerweise lediglich als Kollateralschaden im Kampf um die Verteidigung der Menschenrechte. Auch hier würde eine Friedens-Mediation für Transparenz und Offenheit sorgen.
Vorstehendes mag Ihnen erscheinen, als wenn es von einem politischen Menschen geschrieben wäre. Davon bin ich weit entfernt. Ich verstehe nichts von Politik und das ist auch gut so. Ich bin Mediator und als solcher bin ich es gewohnt, die Sichtweisen aller beteiligten Parteien zu würdigen, allparteilich zu sein und weder zu gewichten noch zu bewerten. Insofern nehme ich auch Abstand von den bewertenden Kommentaren des Moderators des nachfolgenden Videos. Mir ging es nur darum, einmal die Situation um und im Iran zu beleuchten, damit Sie mehr Hintergründe über die Region erfahren können, ohne viele Bücher lesen zu müssen. Und nun viel Vergnügen bei einer kleinen Reise in die Geschichte und die Gegenwart des Iran.
Ein wichtiger Schritt zu einer Friedens-Mediation ist es, alle Positionen eines Konfliktes zu hören und zu verstehen. Im zweiten Schritt ist es wichtig, die dahinter liegenden Verletzungen, Bedürfnisse und Wünsche für alle Beteiligten sichtbar zu machen. Lassen Sie mich auf dieser Reise zu der ich Sie einladen möchte, ein paar grundsätzliche Gedanken einbringen:
Sieht man sich die 3 großen Buchreligionen – das Judentum, den Islam und das Christentum – einmal genauer an, so lassen sich viele Gemeinsamkeiten erkennen. Eine der wesentlichen scheint mir, dass sich in allen 3 Religionen die Nächstenliebe als tragendes Fundament wieder findet und dass es für alle 3 Religionen nur einen Gott gibt. Natürlich gibt es auch Unterschiede. Diese Unterschiede könnte man aber auch als Bereicherung des eigenen Wissens und Gelegenheit, seine eigene Sichtweise zu überprüfen, betrachten. Das nennt man Entwicklung. Seit der Zeit der Aufklärung hat die Menschheit erkannt, dass technologische und wissenschaftliche Entwicklung nur dann möglich ist, wenn andere Sichtweisen nicht durch Tilgung des Vertreters der anderen Meinung statt findet, sondern durch Integration in die eigene. Daraus entsteht entsteht eine neue, weiterentwickelte Wahrheit und Wirklichkeit. Die sprunghafte Entwicklung von Wissenschaft und Gesellschaft im vergangenen Jahrhundert, war nur möglich, durch fortschrittliche unzensierte Informationsweitergabe und vorbehaltlose Diskussion. Die Ausgangslage rund um den Iran bietet sich geradezu idealtypisch für eine Konfliktlösung durch Mediation an.
Welche Handlungsoption hat die Welt?
Bei meiner Recherche der in den Medien diskutierten Handlungsoptionen, kanalisierte sich am Ende jede Lösungsdiskussion immer auf ein scheinbar unausweichliches Ergebnis: Dieses lautet: militärische Intervention. Im Volksmund bedeutet das Krieg. Im folgenden Video sehen Sie daher eine Dokumentation, welche die Probleme eines Kriegsszenarios mit konventionellen Waffen darstellt. Vor diesem Hintergrund wird die Besonderheit eines solchen Krieges gegenüber vergangener Interventionen in Afghanistan und dem Irak sichtbar. Aus diesen Gründen lässt sich auch leicht ableiten, weshalb die Lösung bei Militärberatern im Einsatz atomarer Waffen als ultima ratio diskutiert wird.
Mit diesem Artikel muss ich mir nun selbst vorwerfen, einseitig berichtet zu haben, weil ich nur einen Staat in der Krisenregion des Nahen und Mittleren Ostens, Zentralasiens und Afrika und der ganzen Welt herausgegriffen habe. Natürlich müssen auch sämtliche anderen Staaten in einer Friedens-Mediation Raum bekommen, ihre Sichtweise der Welt öffentlich zu machen. Jedes Land, jede Nation, jedes Volk und jede Kultur hat darauf aus meiner Sicht ein Recht, im Rahmen einer Firedens-Mediation gehört und gesehen zu werden.
In diesem Artikel ging es mir jedoch lediglich darum, anhand des aktuellen Beispiels Iran einmal Grundsätzliches zu einer Friedens-Mediation und den Beweis der Erfolgs-Chancen anhand des Westfälischen Friedens als Alternative zu einer atomaren Auseinandersetzung in die Diskussion einzubringen. Vielleicht sind die Verhältnisse in der heutigen Zeit noch komplexer als im Europa des 16. Jahrhunderts. Vielleicht reichen heute 800 Einzelsitzungen nicht mehr aus, um aus der Komplexität der scheinbaren Widersprüche zukunftsweisende Lösungen mit einem Gewinn für alle herauszuarbeiten. Vielleicht ist dieser Aufwand aber durchaus gerechtfertigter, als auch nur ein einziges Menschenleben zu opfern, geschweige denn Millionen von unschuldigen Menschenleben.
Bitte schreiben Sie mir. Lassen Sie mich Ihre Meinung wissen. Lassen Sie mich an Ihren Ideen teilhaben. Mir ist es ernst und ich vermute auch, dass die Situation ernst ist. Und ich vermute, dass wir Menschen gefragt sind, weil die Lösung der Politik nur eine Alternative zu kennen scheint. Lassen Sie uns gemeinsam an einer tragfähigen Alternative arbeiten.
historische Landkarte: By ziegelbrenner [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC-BY-2.5], via Wikimedia Commons







